19.04.2025 – 30. Spieltag der 1. Tschechischen Fußballliga
Zuschauer*Innen: 14.000
Ca. 15 € Eintritt.
Bierpreis: 52 Tschechische Kronen (Ca. 2,10 €) Radegast
Stadion: Městský stadion (Kapazität: 15.123)
Anstoßzeit: 16:00
Tor(e): https://www.youtube.com/watch?v=DMC_qMf0Hsw
Ostrava ist die drittgrößte Stadt in Tschechien mit ca. 283.000 Einwohner*Innen. Die Stadt liegt an der Grenze zu Polen und etwas weiter entfernt zur Slowakei. Während des 20. Jahrhunderts war Ostrava als Kohlebergzentrum als „Stahlherz“ der Tschechoslowakei bekannt, die Stadt wurde aber in den 90ern umstrukturiert – und deutlich grüner.
Der FC Banik Ostrava ist einer der größten Vereine in Tschechien. Der Verein erlebte sehr große Zeiten in den 70er Jahren, 2004 konnte man als erst zweite Nichtprager Mannschaft die Fußballiga gewinnen – 2005 folge der tschechische Pokaltitel. Bis 2015 spielte man im Bazaly, das Stadion wurde aber 2015 teilabgerissen und der Verein zog in das Městský Stadion. Hier spielte bis 2011/12 der FC Vitkovice, der ging aber Insolvent und zog sich aus dem Spielbetrieb zurück. Im Juli 2012 wurde der Nachfolgerverein MFK Vitkovice gegründet, dieser trägt größere Spiele ebenfalls wieder in dem Stadion aus. Das Stadion wird außerdem für Leichtathletik Veranstaltungen genutzt. Als Gastmannschaft war die wohl unbekannteste aller Prager Fußball-Mannschaften zu Gast, die Boehmians. 1905 in Prag gegründet – 1927 unternahm man eine ausgedehnte Trainingstour nach Australien – dabei war die Australientournee so identitätsstiftend, dass aus der umgangssprachlichen Bezeichnung Bohemians der neue Vereinsname wurde und ein Känguru fortan das Vereinswappen zierte. Große Erfolge fehlen in der Vereinsgeschichte, in der Saison 2023/24 konnte man sich für die Conference League qualifizieren, verlor aber mit 2:7 in der 2. Qualifikationsrunde gegen den FK Bodo/Glimt. Der leider sehr weit weg gelegene Auswärtsblock konnte kaum Stimmung transportieren, während das Einsingen noch sehr gut war – bekam man beim Spiel selbst leider kaum was von den Gästen mit.
Die Ultras von Banik begannen unglaublich gut. Das Liedgut war überraschend melodisch und die Stimmung schwappte durch das ganze Stadion. Zumindestens die ersten 15 Minuten – nach einer Hammerstimmung folgte das große Schweigen. Beide Fanszenen schauten sich nämlich sehr lange (technisch nicht mal besonders guten) nur Fußball an. Boehmians Prag nutzte merkwürdigerweise diese Pause von Ostrava auch nicht wirklich aus. So ging es dann das ganze Spiel weiter – sehr guter und unglaublicher lauter organisierter Support – Pause, und wieder von vorne.
Spielerisch konnte keine der beiden Mannschaften an dem Tag überzeugen. Jede menge technische Fehler, reihenweise wurden 100 % Chancen vergeben. Das dann der Siegtreffer für Ostrava ein Eigentor war erzählt quasi schon alles. Der Schiedsrichter unterbrach die erste Halbzeit für einige Minuten um ein zu tiefes Loch im Rasen auffüllen zu lassen. Allerdings war der Greenkeeper minutenlang nicht aufzufinden. Unterhaltungsmäßig war es schon grandios. Überraschenderweise wurden die Sicherheitstore nach der 1. Halbzeit aufgemacht, so konnte man wieder auf den Vorplatz zu den Essenständen (und beliebig seinen Platz in der 2. Halbzeit verbessern, Kontrollen fanden nicht statt). In der Zweiten Halbzeit hatte die Fanszene von Ostrava noch eine kleine Ostrava Choreo. Nach dem Spiel gabs dann noch einen völlig übertriebenen Polizeieinsatz um die paar Hundert Bohemians Fans in Bussen aus dem Stadion zu bringen, da hatte auch keiner was dagegen – aber die Cops waren völlig übermotiviert. Glücklicherweise ging keiner auf die Provokationen ein und so ging es für die Banik Fans ohne Repressionen nach Hause. Dieser Fußballbesuch war unglaublich tschechisch – aber auch sehr lohnenswert.







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